Gewichtsneutrale Ernährungsberatung - was ist das überhaupt?
- 30. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Warum brauchen wir einen anderen Blick im Gesundheitssystem?
Unser Gesundheitssystem hat sich über einen langen Zeitraum hauptsächlich darauf fokussiert, Gewichtsreduktion als universelle Lösung zu betrachten. Oftmals wurde vermittelt: "Mit Gewichtsverlust wirst du automatisch gesünder leben." Doch inzwischen belegen Studien, dass diese einseitige Konzentration auf das Gewicht eine stark begrenzte Perspektive darstellt.
Einer Studie aus dem Jahr 2011 (Bacon & Aphramor, 2011) zufolge erweist sich ein auf Gewicht fokussierter Ansatz im Gesundheitswesen als kaum nachhaltig und ist mit zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen verbunden.
Besonders die häufigen Gewichtsschwankungen (Weight Cycling) stellen nicht nur eine äußerst frustrierende Nebenwirkung für Betroffene dar, sondern gelten laut der Studie auch als gesundheitsschädlich. Der ständige Wechsel zwischen einem Kaloriendefizit, das oft zu Mangelernährung führt, und einem anschließenden Kalorienüberschuss nach Abschluss der Diät setzt den Körper erheblich unter Stress.
Diese Schwankungen stehen im Verdacht, zahlreiche negative Folgen nach sich zu ziehen, darunter ein gesteigertes Risiko für Bluthochdruck, Insulinresistenz und verschiedene Stoffwechselerkrankungen. Besonders alarmierend ist die Erkenntnis einer weiteren Studie aus dem Jahr 2021 von Gaesser und Angadi, die aufzeigt, dass wiederholtes Ab- und Zunehmen mit einer erhöhten Sterblichkeitsrate verbunden sein könnte.
Klartext: Regelmäßige Gewichtsschwankungen könnten gesundheitsschädlicher sein, als ein konstantes Körpergewicht zu halten – selbst wenn dieses im höheren Bereich liegt.
Warum nutze ich bewusst den Begriff "Mehrgewicht" und nicht "Übergewicht"?
Der Begriff Mehrgewicht wird von mir gezielt gewählt, um auf eine neutrale und wertfreie Weise über die Vielfalt von Körpern zu sprechen.
Bezeichnungen wie Übergewicht oder Adipositas sind stark medizinisch geprägt und häufig mit emotionalen Bewertungen versehen.
Da das Gesundheitssystem weiterhin maßgeblich auf den BMI zur Einteilung von Körpergewicht setzt, der jedoch für das Individuum kaum aussagekräftig ist, liegt der Fokus schnell auf einer einseitigen und pathologisierenden Perspektive.
Wenn man bedenkt:
Der BMI wurde vor fast 200 Jahren von einem Astronomen entwickelt, um die Normalverteilung von Gewichtsklassen innerhalb einer Gruppe (bestehend aus weißen, männlichen Soldaten) zu analysieren. Ursprünglich war er jedoch nicht dafür vorgesehen, auf einzelne Personen angewendet zu werden.
Warum vergleichen wir heute alle Menschen mit dieser unrepräsentativen Studienpopulation – und dann auch bei Frauen? Es ist bereits fragwürdig, dies heranzuziehen. Menschen mit nicht mitteleuropäischer Abstammung damit zu vergleichen, ist zudem ein großer Skandal.
Die Integration dieser Einteilung war rein wirtschaftlich motiviert – Versicherungen verfolgten das Ziel, den Gesundheitszustand ihrer Kundinnen und Kunden zu bewerten. Das Gesundheitssystem hat diesen Ansatz anschließend unverändert übernommen.
Der BMI liefert keine Informationen über die Zusammensetzung des Körpers. Dies ist auch ein Kritikpunkt am BMI, da Studien zeigen, dass die Muskelmasse mit der Lebenserwartung in Zusammenhang steht.
Auch haben Studien bestätigt, dass gesundheitsförderndes Verhalten die Sterblichkeit unabhängig vom BMI senkt (Matheson et al, 2012; Gaesser, 2021)
Diskriminierung und Stigmatisierung im Gesundheitssystem beeinflussen negativ das Ernährungsverhalten und dadurch auch die Gesundheit
Weitere Probleme des gewichtszentrierten Ansatzes
Der starke Fokus auf das Gewicht und die Gewichtsreduktion im Gesundheitssystem führt häufig zu einer gewissen Voreingenommenheit und Vorurteilen in den Köpfen vieler Menschen. Schlanken Personen werden dabei oft positive Eigenschaften zugeschrieben, während Menschen mit höherem Gewicht negative Attribute wie Undisziplin, Faulheit oder Trägheit zugeschrieben werden.
Wenn unser Ziel jedoch die Förderung von Gesundheit ist, dann bietet ein antidiskriminierender Ansatz, der gesundheitsförderndes Verhalten in den Mittelpunkt stellt, eine wertvolle Perspektive!
Gewichtsneutrale Ernährungsberatung
Es ist wichtiger gesunde Lebensgewohnheiten und gesundheitsförderndes Verhalten nach & nach im eigenen Alltag zu integrieren, als die Zahl auf der Waage oder deine Figur.
Der Erfolg einer gewichtsneutralen Begleitung wird über die Veränderungen und Verbesserungen der Gewohnheiten, der Lebensqualität und der Verhaltensänderung gemessen.
Mitfühlend und fürsorglich mit sich selbst!





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