"Carbonara Körper" als neuer Körpertrend?
- 28. Juli
- 2 Min. Lesezeit
"Stärke, Speck und gute Laune": So beschreibt eine deutsche Journalistin in einem Artikel für das "Zeit Magazin" einen Körpertyp, den sie zunehmend in Fitnessstudios beobachtet.
Sie nennt ihn den Carbonara-Körper, inspiriert von der Stärke und dem Speck, die im Pastagericht vorkommen. Damit meint die Autorin Frauen, die Krafttraining machen, sichtbar stark sind und keine Ambitionen haben, als Ziel extrem dünn zu werden.
Laut der Autorin spiegelt dies ein neues weibliches Selbstverständnis wider:
Diese Frauen trainieren nicht für den männlichen Blick, sondern für sich selbst. "Manche haben melonengrosse, wackelnde Pobacken und schwingen melonengrosse Kettlebells durch ihre Beine hoch über den Kopf. Ihre Oberarme sind nicht unbedingt definiert, aber richtig stark", schreibt sie. Was jedoch als ermächtigender Gegentrend zur aktuellen Skinnytok-Bewegung gedacht war, stößt auf Social Media auf heftige Kritik.
Eine Frau ist kein Nudelgericht. Besonders der Begriff Carbonara-Körper führt bei vielen zu Missfallen. Creatorin Ena Soukou kritisiert in einem Video, dass ein gewöhnlicher Frauenkörper als neue Erscheinung dargestellt wird. "Ein ganz normaler Körper ist ein starker Körper mit guter Muskulatur und natürlich einem gewissen Körperfettanteil", sagt sie. "Die Tatsache, dass das nun als Carbonara-Frauen bezeichnet wird, stresst mich sehr."
Eine Frau ist halt kein Nudelgericht, kommentiert eine Userin unter dem Beitrag. Auch die Formulierung Stärke, Speck und gute Laune kommt schlecht an: Ein gesunder Körperfettanteil wird jetzt als Speck bezeichnet? Als wären Frauenkörper Modetrends.
Viele sehen in dem Artikel ein grundsätzliches Problem. Frauenkörper würden immer wieder benotet und Körperbilder zum Trend gemacht: erst "Heroin Chic", dann "Pilates Body" oder "Rich Girl Arms" – nun sei es eben der Carbonara-Körper.
Als wären Frauenkörper Modetrends, die jede Saison ausgetauscht werden, schreibt Creator Fuelwithpauli. Content Creatorin Cicisview sieht es ähnlich: Solange wir Frauenkörper benennen, kategorisieren und bewerten, bleibt der Fokus derselbe: auf dem Aussehen.
"Das bin ich!": Einige Frauen feiern aber auch diesen Text. Nicht alle sind empört. Einige meinen, die Botschaft des Artikels werde in der Debatte verkürzt dargestellt. Im Zentrum stehe die Idee, dass Frauen ihren Körper nicht nach den Erwartungen anderer formen müssten. Eine Nutzerin verweist auf eine Passage, in der betont wird, dass der Körper der Frau allein gehöre und ihr genügen dürfe. Da stimme ich voll und ganz zu, kommentiert sie. Über den Titel lasse sich allerdings streiten.
Vielleicht hat die Autorin im Artikel wirklich positiv als Gegentrend berichten wollen, schlussendlich sehe aber auch ich ein Problem dabei, dass schon wieder Frauenkörper in eine Schublade gepresst werden und beurteilt werden. Als wäre der Körper einer Frau immer nur ein Trend und je nach Trend "gehörst Du dazu" oder eben nicht.
Unser Körper ist aber kein Trend.
Unser Körper ist individuell und die Botschaft sollte heißen: Alle Körper sind okay!

Ich als gewichtsneutral arbeitende Anti-Diät - Diätologin finde es sehr wichtig, dass wir wegkommen von Bewertungen und Einteilungen, hin zu Vielfalt und gesundheitsförderlichem Verhalten - wo Kraftsport auf alle Fälle dazugehört.
Denn dieser Artikel und auch diese Diskussionen sollten niemanden davon abhalten, auf sich und die eigene Gesundheit zu achten.




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