Die „Abnehmspritze“ – Erfahrungen eines Klienten
- 8. Feb.
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Aktualisiert: 9. Feb.
Heute möchte ich euch die Erfahrungen eines Klienten schildern, den ich über mehrere Monate hinweg während einer laufenden Therapie mit der sogenannten „Abnehmspritze“ begleitet habe. Er suchte mich Ende März in meiner Praxis auf, mit dem Ziel, sein Essverhalten umzustellen. Sein Hauptanliegen war, nach dem Absetzen der Injektionen sein Gewicht langfristig halten zu können.
Er wusste bereits, dass viele nach den Injektionen wieder an Gewicht zulegen – Studien zufolge sogar bis zu 2/3 des verlorenen Gewichts innerhalb des ersten Jahres nach dem Absetzen der Therapie. Dem wollte er gerne entgegenwirken.
Anfangs waren keine nennenswerten Beschwerden zu erkennen. Bei einer Dosiserhöhung traten bei ihm Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und langanhaltende Übelkeit auf. Mit steigender Dosierung verschlimmerten sich diese Beschwerden, was für den Klienten deutlich machte, dass dies keine langfristige Lösung für ihn darstellen kann. Auch hat der Klient die Spritze vor allem nicht als Dauerlösung gesehen, weil er die Hälfte der Woche durch wenig Hungergefühl sehr wenig Energie aufgenommen hat. Dadurch war er sehr müde und hatte keine Energie für Bewegung & Sport - was er als sehr einschränkend empfunden hat und auch für den raschen Muskelabbau währenddessen fatal ist (wenig Nährstoffe, wenig Muskelaufbau).
Außerdem ist es für viele auch finanziell nicht möglich, die sogenannte „Abnehmspritze“ über einen längeren Zeitraum einzusetzen. Es gibt ein großes Ungleichgewicht in der Gesellschaft - wer Geld hat, kann sich diese Therapiemöglichkeit länger leisten, andere nicht. Zum Schluss wurde meinem Klienten auch von seitens der Ärzte eine Pause über mehrere Monate empfohlen.
In der Ernährungstherapie haben wir uns zunächst gemeinsam einen Überblick über sein aktuelles Essverhalten verschafft. Dabei haben wir zahlreiche Überzeugungen und Gewohnheiten in Bezug auf Essverhalten und Essrhythmen hinterfragt, die „Diätmentalität“ analysiert und alte Glaubenssätze genauer betrachtet. Der Klient zeigte sich bereits von Anfang an beeindruckt davon, wie viele Faktoren und Lebensbereiche sein Essverhalten beeinflussen. Mit großer Offenheit und Neugier hat er sich proaktiv mit all diesen Aspekten auseinandergesetzt.
Das Heranführen an das Thema Selbstfürsorge und das Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse & Grenzen zu öffnen und in den Gesprächen zu begleiten, hat dem Klienten sehr dabei geholfen. Durch den regelmäßigen Austausch konnte der Klient immer mehr Mut fassen, diese Themen zu analysieren und auch aktiv zu verändern.
Mit diesem Wissen konnte er sich besser um seine Grundbedürfnisse kümmern und so ein stabiles Umfeld schaffen, auf das er jetzt zurückgreifen kann. "Ersatz-Strategien" wie Emotionales Essen sind dadurch in den Hintergrund gerückt und waren nicht mehr notwendig.
Im nächsten Schritt haben wir uns mit herausfordernden Situationen rund um das Essen beschäftigt. Besonders das emotionale Essen stand dabei im Fokus. Gemeinsam haben wir schrittweise neue Strategien entwickelt, die Alternativen zum Essen bieten sollen. Dieses Thema ist von besonderer Relevanz, da wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Anwendung der sogenannten „Abnehmspritze“ zu einer erheblichen psychischen Belastung führen kann – vor allem, wenn es noch keine wirksamen Strategien gibt, um schwierige Gefühle zu bewältigen. Hier wird deutlich, wie essenziell eine gezielte Verhaltensänderung ist.
Ich habe festgestellt, dass es meinem Klienten mit Unterstützung der Injektionen leichter gefallen ist, sich auf diese Veränderungsschritte neugierig und offen einzulassen und vor allem sich Zeit für diese Verhaltensänderungen zu nehmen.
Der Gewichtsverlauf bis September (S) unter Verwendung von Injektionen und anschließend ohne Injektionen bis Januar (J)
Hier zeigt sich deutlich, dass eine Erhöhung der Injektionsdosis ab Mai (M) mit einem schnelleren Gewichtsverlust einherging. Gleichzeitig hat der Klient seine körperliche Aktivität kontinuierlich gesteigert, wodurch er dem starken Muskelabbau teilweise entgegenwirken konnte. Dennoch wurde bei einer BIA-Messung ein Rückgang der Muskelmasse festgestellt.

Ein rascher Gewichtsverlust führt in erster Linie zum Abbau von Muskelmasse. Dies hat häufig zur Folge, dass der Grundumsatz zurückgeht, was es deutlich erschwert, das reduzierte Gewicht auf Dauer zu halten.
Nachdem die Injektionen abgesetzt wurden, hat sich das Gewicht des Klienten wieder auf das Niveau vom August eingependelt und ist seitdem stabil geblieben. Durch die bereits umgesetzten Änderungen konnte er einer erneuten Gewichtszunahme erfolgreich entgegenwirken.
Fazit:
Er erlebt eine deutlich gesteigerte Lebensqualität, geht gelassener mit sich selbst und seinem Essverhalten um, hat seine Beweglichkeit verbessert, findet Freude an körperlicher Aktivität und nimmt die Signale von Hunger und Sättigung viel bewusster wahr.


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