Abnehmspritzen – Fluch & Segen zugleich?
- swoskowski
- vor 4 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
„Abnehmspritzen“ werden gerade von Ärzten und im Gesundheitswesen als „die neue Adipositastherapie“ empfohlen und es gibt eine enorm hohe Nachfrage. Immer öfter hört man „Abnehmen ohne Sport & Quälerei“ als Werbeslogan in Social Media oder auch im Fernsehen, nur ist das wirklich so einfach wie es klingt?
Lasst uns mal gemeinsam genauer hinschauen:
Medikamente wie Ozempic, Mounjaro oder Wegovy sind Injektionen, die das Abnehmen unterstützen sollen. Die Injektion wird wie bei Thrombosespritzen unter die Haut injiziert. Der enthaltene Wirkstoff wurde zur Behandlung von Diabetes entwickelt und noch heute dafür eingesetzt. In der Erfahrung bei der Behandlung von Diabetes hat man erkannt, dass diese Medikamente auch zu einer Gewichtsabnahme beitragen können. Diesen Effekt macht man sich jetzt zu Nutze.
Auch hat man bereits weitere interessante potenzielle Einsatzgebiete festgestellt, die momentan stark erforscht werden, wie z.B.: bei Demenz- und Suchterkrankungen.
Studien zeigen sehr gute Ergebnisse: Im Durchschnitt verlieren Teilnehmer & Teilnehmerinnen rund 15 % bis zu 20 % ihres Körpergewichts über einen Zeitraum von 68 – 72 Wochen (Wilding et al., 2021). Worüber hier meistens nicht gesprochen wird: dass diese Ergebnisse in Kombination mit Lebensstilveränderungen stattfanden.
Was steckt also genau dahinter? Welche Fakten gibt es dazu?
UND VORALLEM: Warum sollten diese Spritzen nicht als „Wundermittel“ gefeiert, sondern gut reflektiert betrachtet werden?
Erstmal zur Wirkung dieser Medikamente:
Diese Substanzen ahmen das körpereigene Hormon GLP-1 nach. Im Körper entstehen folgende Auswirkungen:
· Der Appetit wird gehemmt
· Das Sättigungsgefühl verstärkt sich
· Die Magenentleerung wird verlangsamt
· Der Blutzuckerspiegel wird reguliert
Mit anderen Worten: Diese Wirkstoffe beeinflussen das zentrale Hunger- und Sättigungszentrum im Gehirn und hilft so dabei, weniger zu essen.
Die Ergebnisse aus Studien zeigen deutlich:
· Weniger Hunger
· kleinere Portionsgrößen
· weniger Heißhungerattacken
· Stabilere Blutzuckerwerte
Doch nur während der Nutzung dieser Medikamente. Aus Studien ist ersichtlich, dass nach Absetzen der Injektionen der Großteil des verlorenen Gewichts wieder zurückkehrt. In der Studie von Wilding et. al, 2022 haben die Teilnehmer & Teilnehmerinnen rund 2/3 des verlorenen Gewichts innerhalb eines Jahres nach Absetzen bereits wieder zugenommen.
Wenn wir Körpergewicht & Adipositas und das damit verbundene Essverhalten als etwas Chronisches ansehen (= „Gewohnheitstiere“), ist das auch ganz logisch, denn die Wirkung auf die Gewichtsabnahme kam hier nur vom Medikament – Deshalb ist es so wichtig und unumgänglich, eine Ernährungstherapie begleitend zu kombinieren.
Vor allem, weil durch Beobachtungen und Studien bereits ersichtlich ist, dass durch die hohen Kosten (keine Kassenleistung) diese Medikamente meist nach einer gewissen Zeit wieder abgesetzt werden. Außerdem besteht eine große Ungleichheit in der Gesellschaft – Reiche können sich die Spritze auch längerfristiger leisten, viele andere nicht.
Ich kann es so gut verstehen, dass für viele Menschen das Thema Gewicht eine große Belastung darstellt - der Druck in der Gesellschaft und die damit oft verbundene Diskriminierung ein starkes Argument dafür ist – oft werden aber die Nebenwirkungen und Konsequenzen davon nicht berücksichtigt.
Es muss also abgewogen werden, ob dies sinnvoll ist (medizinisch begleitet) und wenn ja - dann mit weiterer Unterstützung:
Ernährungstherapie mit Schwerpunkt Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung
Meine persönliche Empfehlung nach 20 Jahren Berufserfahrung als Diätologin: Das original Konzept INTUITIV ESSEN (hier sind genau diese drei Schwerpunkte inkludiert, ganzheitlicher Ansatz)
Um auch langfristig diese Erfolge gut halten zu können.
In meinem nächsten Blog-Beitrag werde ich einen Erfahrungsbericht eines Klienten von mir für einen kleinen Einblick in meine Praxis darstellen. So könnt ihr bereits einen kleinen Einblick in die Ernährungstherapie als Kombi zur „Abnehmspritze“ bekommen.
Denn: wird Essen vor allem als Bewältigungsstrategie (Emotionales Essen) genutzt, fällt dies ja mit dem Medikament einfach weg (weniger Heißhungerattacken) - wenn hier keine neuen Strategien erlernt werden, um mit bestimmten Gefühlen und Situationen umgehen zu können, kann dies schwerwiegende Folgen für deine psychische Gesundheit haben. (auch laut Studien bestätigt)
Lass uns gemeinsam mit Hilfe einer gewichtsneutraleren Sicht und praxisnahen & verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Unterstützung deine Erfolge stabilisieren!
Denn zu starker Fokus auf den BMI ist eine sehr eingeschränkte Sicht auf Gesundheit
Studien zeigen bereits, dass Gesundheit mehr ist als nur der „richtige“ BMI bzw. das Gewicht, sondern vor allem gesundheitsförderndes Verhalten wichtig für die Gesundheit ist!
Jetzt aber noch zu den gängigen Nebenwirkungen dieser Medikamente
Seltenere, aber ernsthafte Risiken:
· Gallensteine
· Mögliche Schilddrüsenveränderungen (Beobachtung in Tierdaten, noch keine Daten)
· Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
· Dauerhafte Gastroparese („Magenlähmung“, die aktuell Gegenstand von Klagen in den USA sind laut Deutsche Adipositas Gesellschaft, 2024)
· Psychische Nebenwirkungen wie depressive Symptome, Suizidgedanken (einige Studien weisen darauf hin, Zusammenhänge noch nicht ganz geklärt)
Häufig:
· Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall
Zu Beginn sehr häufig, durch niedrigere Dosierung oder langsame Steigerung zu Beginn kann dies oft abgefangen oder reduziert werden. Schon alleine durch diese Nebenwirkungen und dem dadurch entstandenen Risiko würde ich eine dauerhafte Injektion hinterfragen.
Kritik & Kontroverse
· Gewichtszunahme nach Absetzen
· Hohe Kosten und keine Kassenleistung
· Ungleichheit geschaffen & möglicher Missbrauch (auch verstärkt es eventuelle Essstörungstendenzen und können diese noch verschärfen)
· Häufig keine Empfehlung zur begleitenden Ernährungstherapie trotz Studienlage
· Verstärkung der gewichtszentrierten Sicht im Gesundheitswesen
Studien zeigen bereits, dass Faktoren wie
- Ernährung, bewusst und auf Bedürfnisse des Körpers eingehend
- Bewegung, die Spaß macht und nicht auf Abnehmen & Kalorienverbrennen ausgerichtet ist
- Verhaltenstherapie, Stressbewältigung, Entspannung & Achtsamkeit, guter Schlaf
Die Gesundheit unabhängig vom Körpergewicht verbessert!
Deshalb betonen auch Fachgesellschaften wie die Deutsche Adipositas Gesellschaft 2024: Medikamente sind nur eine Ergänzung und ersetzen niemals die Basistherapie von Ernährung, Bewegung & Verhalten
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