Gewichtsneutrale Ernährungsberatung - was ist das überhaupt?
- swoskowski
- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Warum brauchen wir einen anderen Blick im Gesundheitssystem?
Unser Gesundheitssystem hat sich lange Zeit auf die Gewichtsreduktion als alleiniges "Allheilmittel" konzentriert. Vielen wurde gesagt: "Wenn Du abnimmst, wirst Du gesünder leben", doch zeigt die Forschung bereits, dass der alleinige Blick auf das Gewicht eine sehr eingeschränkte Sichtweise ist.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2011 (Bacon & Aphramor, 2011) ist ein gewichtszentrierter Ansatz im Gesundheitswesen nur wenig nachhaltig und wird von vielen unerwünschten Nebenwirkungen begleitet.
Vor allem die häufigen Gewichtsschwankungen (wheight cycling) sind als Nebenwirkung nicht nur sehr frustrierend für Betroffene, laut der Studie sind diese auch gesundheitsschädigend. Der Körper wird durch die Schwankung zwischen Kaloriendefizit & dadurch entstehender Mangelernährung und dem dann wieder abwechselnden Kalorienüberschuss nach Beendigung der Diät stark belastet.
Diese Schwankungen werden mit zahlreichen negativen Auswirkungen wie ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Insulinresistenz und Stoffwechselerkrankungen in Verbindung gebracht. Besonders besorgniserregend ist, dass in einer weiteren Studie aus dem Jahr 2021 (Gaesser & Angadi, 2021) mehrfaches Zu- und wieder Abnehmen mit einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht wurde.
Klartext: Häufige Gewichtsschwankungen könnten ungesünder sein, als das Halten von fast jedem Körpergewicht - auch im Mehrgewichtsbereich.
Warum nutze ich bewusst den Begriff "Mehrgewicht" und nicht "Übergewicht"?
Der Begriff "Mehrgewicht" nutze ich bewusst, um neutral und wertfrei über Körpervielfalt zu sprechen.
Der Begriff "Übergewicht" oder "Adipositas" ist medizinisch pathologisiert und emotional aufgeladen.
Da sich im Gesundheitssystem weiterhin die Einteilung von Körpergewicht auf den BMI bezieht, dieser aber für das Individuum wenig aussagekräftig ist, wird mit diesem zentriertem Blick schnell pathologisiert.
Wenn man bedenkt, dass ...
der BMI vor fast 200 Jahren von einem Astronomen entwickelt wurde, um die Gewichtsklassen-Normalverteilung einer Gruppe (weiße, männliche Soldaten) festzustellen und nicht für die Anwendung einzelner Personen gedacht war
wir heutzutage alle Menschen mit dieser unrepräsentativen Studienpopulation vergleichen - schon alleine, dass wir als Frauen dies auch heranziehen? Auch Menschen mit nicht mitteleuropäischer Abstammung damit zu vergleichen ist ein großer Skandal
diese Integration dieser Einteilung wirtschaftlich ausgerichtet war - Versicherungen wollten die Gesundheit ihrer Klienten und Klientinnen bewerten. Das Gesundheitsystem hat es dann einfach 1:1 übernommen
der BMI keinen Aufschluss über die Körperzusammensetzung gibt. Dies ist auch ein Argument gegen den BMI, denn laut Studien korrelieren die Muskelmasse mit der Lebenserwartung.
Auch haben Studien bestätigt, dass gesundheitsförderndes Verhalten die Sterblichkeit unabhängig vom BMI senkt (Matheson et al, 2012; Gaesser, 2021)
Diskriminierung und Stigmatisierung im Gesundheitssystem beeinflussen negativ das Ernährungsverhalten und dadurch auch die Gesundheit
Weitere Probleme des gewichtszentrierten Ansatzes
Durch den zentrierten Blick rein auf das Gewicht und die Gewichtsreduktion im Gesundheitssystem entsteht in vielen Köpfen eine gewisse Voreingenommenheit & Vorurteile - schlanken Menschen werden gewisse positive Eigenschaft zugeschrieben, Mehrgewichtigen Personen oft negative wie z.B.: undiszipliniert, faul, träge.
Wenn Gesundheit unser Ziel ist, dann ist der anti diskriminierende Ansatz und der Blick auf gesundheitsförderndes Verhalten ein guter Ansatz!
Gewichtsneutrale Ernährungsberatung
Es ist wichtiger gesunde Lebensgewohnheiten und gesundheitsförderndes Verhalten nach & nach im eigenen Alltag zu integrieren, als die Zahl auf der Waage oder deine Figur.
Der Erfolg einer gewichtsneutralen Begleitung wird über die Veränderungen und Verbesserungen der Gewohnheiten, der Lebensqualität und der Verhaltensänderung gemessen.

Mitfühlend und fürsorglich mit sich selbst!



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